Dienstag, den 10. Januar 2017 um 11:18 Uhr

Assistentin ist schwanger

Eine Assistentin hat uns mitgeteilt, dass sie schwanger ist. Das ist eine schöne Nachricht. Wir freuen uns für sie! Wir wünschen für die Schwangerschaft und die Geburt alles Gute!

Und was bedeutet das für mich als Arbeitgeberin?

Im Obligationenrecht steht im Artikel 336c (Kündigung zu Unzeit durch den Arbeitgeber): «... darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nicht kündigen: ... während der Schwangerschaft und in den 16 Wochen nach der Niederkunft einer Arbeitnehmerin ...»

Das bedeutet, wir müssen die Assistentin weiterhin beschäftigen, sogar dann, wenn das Pilotprojekt vom Kanton Bern beendet würde.

Wir sind zufrieden mit ihrer Arbeit und wollen sie gar nicht kündigen. Aber es ist schon ein spezielles Gefühl, wenn man weiss, dass man als Arbeitgeber eine so strenge Pflicht hat. Wir werden also versuchen zu schauen, wie lange sie noch bei uns arbeiten kann. Wir müssen auch Rücksicht nehmen und dürfen ihr keine schwere Arbeit mehr geben.

Dazu kommt die Mutterschaftsentschädigung. Es gibt da ein Merkblatt von der AHV: https://www.ahv-iv.ch/p/6.02.d. Wir bekommen 80% des durchschnittlichen Lohns direkt von der AHV-Stelle, damit wir unserer Assistentin auch in der Zeit nach der Geburt Lohn bezahlen können. Unsere Assistentin darf 14 Wochen Ferien beziehen.

Ein weiteres Thema ist, dass wir jetzt eine Stellvertretung brauchen. Wir müssen also wieder eine Stellenausschreibung machen und unsere Assistentinnen fragen, ob sie Leute kennen, die zu uns kommen können.

Zusätzlich müssen wir als Arbeitgeber auch die Krankentaggeldversicherung überdenken. Was machen wir, wenn die Schwangerschaft nicht ohne Komplikationen verläuft? Auch da hat das Obligationenrecht eine Antwort parat: Im Artikel 324a (Lohn bei Verhinderung an der Arbeitsleistung – bei Verhinderung des Arbeitnehmers) steht: «Wird der Arbeitnehmer aus Gründen, die in seiner Person liegen, wie Krankheit, Unfall, ..., ohne sein Verschulden an der Arbeitsleistung verhindert, so hat ihm der Arbeitgeber für eine beschränkte Zeit den ... Lohn zu entrichten, ...»

Unsere Assistentin tritt jetzt das zweite Dienstjahr an. Gemäss der Berner Skala müssen wir für einen Monat Lohn bezahlen, wenn sie krank wird. Details siehe die Seite Verhinderung des Arbeitnehmers an der Arbeitsleistung der SECO.

Wir könnten eine Krankentaggeldversicherung abschliessen. Wer bezahlt aber die Prämien? Und macht es überhaupt Sinn? Der Kanton Bern übernimmt die Lohnfortzahlung sowieso, und diese Kosten werden von unserem Budget für den Betreuungsbedarf auch nicht abgezogen.

Im Beitrag Selbstbestimmung haben wir gesagt, dass mein Mann die strategische Planung innerhalb der Vorgaben des Pilotprojekts macht. Er meint, dass wir im Moment noch etwas zuwarten sollen, bevor wir eine Krankentaggeldversicherung abschliessen.

Fazit

Als Arbeitgeberin kann passieren, dass urplötzlich und unerwartet eine ziemlich langfristige Verpflichtung auftaucht. Der Kündigungsschutz dauert etwa 9 Monate der Schwangerschaft plus 16 Wochen. Also wir haben uns jetzt für mehr als ein Jahr verpflichtet. Dazu kommt die Suche nach einer Stellvertretung und Fragen wegen möglicher Krankheit.