Samstag, den 18. Februar 2017 um 11:41 Uhr

Assistentinnen und Sozialhilfe

Seit einiger Zeit wird über die Pläne vom Fürsorgedirektor Alain Schnegg diskutiert, die Sozialhilfe zu kürzen, so auch in diesem Artikel der Berner Zeitung «Sinkt die Sozialhilfe, steigen die Schulden».

Uns beschäftigt ein anderes Thema zur Sozialhilfe. Was, wenn wir eine Assistentin einstellen, die Sozialhilfe bezieht?

Dank der Kostengutsprache vom Kanton Bern haben wir die Möglichkeit, gezielt Leute auszuwählen, die sonst keine Chance auf dem Job-Markt haben. Das tun wir, aber aus einem anderen Grund: Wir brauchen Leute, die in Gebärdensprache kommunizieren können.

Das haben wir auf dem Beitrag «Positiv und Negativ» genauer erklärt. Wir haben zum Beispiel mit der Haushaltshilfe von der Spitex Schwierigkeiten, weil die Frauen der Spitex nicht gebärden können.

Leute, die gebärden können, sind in der Regel, wie wir, auch gehörlos (Ausnahme Dolmetscherinnen und Angestellte der Beratungsstelle für Gehörlose, usw.). Hier haben wir eine Win-Win-Situation:

  • Wir können mit unseren Assistentinnen in unserer gewohnten Sprache kommunizieren. Win!
  • Die Assistentinnen können auch in ihrer gewohnten Sprache kommunizieren, und das in einer beruflichen Situation. Win!

Uns ist aber etwas aufgefallen. Es war schwierig, Leute zu finden, die Sozialhilfe beziehen. Wir hatten eine Assistentin, die nur bereit war, einmal als Ferienstellvertreterin für uns zu arbeiten. Alle anderen Assistentinnen beziehen keine Sozialhilfe.

Warum wohl?

Es lohnt sich für Sozialhilfebezüger nicht. Der Lohn wird von der Sozialhilfe abgezogen, zumindest teilweise. Aber so eine Arbeit schafft viel Unsicherheit: Muss ich Steuern bezahlen? Wer bezahlt mein Arbeitsweg? Am Schluss befürchten die Leute, dass sie in eine Falle geraten: Sie arbeiten zwar, aber am Schluss haben sie weniger Geld wegen der Abzüge und der neu entstehenden Kosten. Sie können sich wegen der Kommunikationsbarriere bei der Sozialbehörde nicht ausreichend informieren.

Eine Assistentin hat uns aber gesagt, Geld sei nicht so wichtig. Wichtiger sei die Spass an der Arbeit und die Freude am Leben.

Wie auch immer, wir sind Arbeitgeber. Eigentlich geht uns die finanzielle Situation unserer Assistentinnen nichts an. Es beschäftigt uns trotzdem. Gehörlose Frauen wie unsere Assistentinnen stehen am Rand der Arbeitsgesellschaft. Sie bekommen oft zu hören, dass sie die Stelle nicht bekommen, weil Telefon- oder Kundenkontakt wichtig sei. Wenn eine Frau taub ist, hat sie zum Beispiel kaum Chancen, bei der Spitex in der Haushaltshilfe zu arbeiten.