Dienstag, den 18. Juli 2017 um 15:11 Uhr

Bildung für Gehörlose

Bildung für Gehörlose ist für uns ein wichtiges und grosses Thema.

Was brauchen Kinder und Erwachsene, die gehörlos geboren werden?

(Uebernommen von DGScafe)

Lautsprache ist für Gehörlose prinzipiell nicht zugänglich. Man kann Lippenlesen lernen, aber das Lippenlesen hat schwerwiegende Nachteile. International sehen Fachleute darum langsam ein, dass es für die Bildung von gehörlosen Kindern die Gebärdensprache braucht. Bis es soweit war, musste die Gehörlosengemeinschaft jahrzehntelang heftig kämpfen. Und auch heute noch ist die Verwendung von Gebärdensprache leider nicht selbstverständlich.

Eine Kommunikationsbehinderung ist äusserst subtil. Und doch haben Gehörlose, wie wir, jeden Tag mit den Folgen davon zu kämpfen.

Ein Beispiel ist die Spitex. Wie kann eine gehörlose Person einer Haushilfe, die keine Gebärdensprache versteht, präzise Anweisungen erteilen?

Als wir das Interview mit der Berner Zeitung machten, hat jemand gemeint, die betroffene Person könnte auch Dienstleistungen in Anspruch nehmen und müsste nicht unbedingt Arbeitgeberin werden. Sie könnte zum Beispiel die Spitex beauftragen.

Und Gehörlose mit einer Körperbehinderung? Beschäftigt die Spitex gebärdensprachkompetente Angestellte? Und wenn nicht, muss dann die Person neben der Spitex auch immer eine Dolmetscherin bestellen?

Wir sehen, welche gravierende Folgen eine Kommunikationsbehinderung nur schon bei einem komplexen Projekt wie das Pilotprojekt Vibel haben kann.

Und erst recht bei der Bildung.

Dazu eine Geschichte von mir, dem Ehemann. Damals ging ich in die Regelschule. Die Invalidenversicherung bezahlte mir eine sehr teure Funkanlage. Der Lehrer soll ein Mikrofon tragen und ich einen Empfänger, der mit meinen Hörgeräten verbunden war. Ich war aber resthörig (heute bin ich vollständig taub). Die Resthörigkeit bedeutet, dass Sprache nicht übers Gehör wahrgenommen werden kann, weil der Rest an Hörfähigkeit nicht genügt, die verschiedenen Laute zuverlässig zu unterscheiden. Damals war ich aber erst 12 Jahre alt und konnte nicht begründen, warum die Anlage mir nicht hilft. Ich spürte nur unterschwellig die Nutzlosigkeit der Anlage, und als sie einmal kaputt ging, erzählte ich meinen Eltern nicht einmal davon. Ich schaute halt, dass ich trotzdem lernen konnte (und Lippenlesen hat mir auch nicht geholfen).

Diese Geschichte zeigt einfach, wieviel einfach schief läuft bei den Gehörlosen.

Leider denken wir im Moment, dass das Projekt Vibel nicht versteht, was Gehörlose brauchen. Wir werden versuchen, in den nächsten Beiträgen mehr darüber zu berichten. Es ist kein einfaches Thema, auch für uns.

Bitte hier zum Thema Bildung für Gehörlose weiterlesen.