Donnerstag, den 6. Juli 2017 um 20:51 Uhr

Dolmetschkosten

Hörende, die nicht gebärden, haben ein Kommunikationshandikap mit uns. Darum brauchen wir regelmässig Gebärdensprachdolmetscherinnen. Gerade in Gruppensituationen wie Elternabende sind wir froh um diese Hilfe. So können wir selbstbestimmter und unabhängiger kommunizieren.

Und wie werden Dolmetschkosten bei Vibel behandelt?

Heute hatten wir ein Gespräch für eine Testabklärung mit einer Person von Indibe. Indibe ist eine vom Kanton Bern unabhängige Institution, die Abklärungen macht. Weil das Projekt Vibel noch in der Pilotphase ist, müssen Abläufe noch erprobt und getestet werden. Wir haben uns als Testpersonen zur Verfügung gestellt.

Bei der Testabklärung merkten wir aber alle, dass bei Dolmetschkosten es ein Puff gibt.

Bei Vibel soll der behinderungsbedingte Bedarf von Menschen mit Behinderungen gedeckt sein. Bezieht eine Person Assistenzleistungen von der Invalidenversicherung, die Gelder aber nicht ganz reichen, wird der Kanton Bern das Manko decken. Das läuft so ab: Jeden Monat macht die Person eine Abrechnung mit behinderungsbedingten Einnahmen und Ausgaben und schickt eine Rechnung an den Kanton, falls ein Defizit besteht. Dabei dürfen die Gesamtausgaben das vorgegebene Kostendach nicht überschreiten.

Ein Beispiel: Das Kostendach ist 2900 Fr. pro Monat. Die IV bezahlt 2100 Fr. für Assistenzen, aber die Person musste für 3200 Fr. Löhne bezahlen. Der Kanton Bern bezahlt 2900 Fr. – 2100 Fr. = 800 Fr. an die Person. Bei Vibel kann immerhin für einige Monate das Kostendach überschritten werden, wenn man in anderen Monaten weniger bezieht.

Nun gibt es bei uns nur schon das Problem, dass wir nicht zum Voraus wissen, wie hoch der Bedarf an Dolmetschleistungen ist.

Ein Beispiel sind Kursbesuche. Menschen mit Behinderungen haben wie alle ein Recht auf Bildung. Und manchmal ergibt sich ziemlich kurzfristig eine Möglichkeit für einen Kurs. Und manchmal besucht man für einige Jahre keinen Kurs. Wie soll man da Durchschnittswerte über mehrere Jahre ermitteln können? Auch können die Kosten stark schwanken oder schwer zu bestimmen sein: Manche Kurse werden extra für Gehörlose durchgeführt, und die Kosten sind Bestandteil der Kursgebühren oder werden querfinanziert oder was weiss ich noch. Da gibt es keine Rechnung für behinderungsbedingte Leistungen, die man an den Kanton weiterreichen kann. Universitäre Bildungswege dagegen können extrem teuer werden. Kürzlich las ich in einer Zeitung, dass Frau Dr. Tatjana Binggeli damals sich sehr für ihre universitäre Bildung einsetzen musste. Sie nahm für die Dolmetschkosten sogar ein Darlehen auf, weil es mit der Invalidenversicherung nicht mehr ging.

Es gibt noch andere offene Fragen, aber fassen wir uns kurz: Es sieht so aus, als ob es zuwenig Wissen über die Bedürfnisse von Gehörlosen beim Kanton Bern und bei der Abklärungsstelle hat. Wie immer steckt der Teufel in den Details, und es braucht Fachkompetenz.

Wir haben am Anfang des Pilotprojekts mit dem Projektleiter beim Kanton Bern inoffiziell abgemacht, dass Dolmetschkosten vorerst ausgeklammert werden. Dies ist aber keine Lösung, wenn mehr Gehörlose im Kanton Bern beim Projekt mitmachen.

Wir hoffen jetzt, dass wir mit der Testabklärung ein Feedback geben konnten. Wir denken, dass man wegen der Dolmetschkosten eine brauchbare Lösung finden muss.