Freitag, den 15. Dezember 2017 um 9:29 Uhr

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Wir hatten schon längere Zeit Zweifel. Heute haben wir beschlossen, dass wir hier keine weiteren Beiträge mehr aufschalten.

Wir hatten hier auf dem Blog nie viel Resonanz. Wir haben uns aber auch keine besonders grosse Mühe gegeben Informationen zu verbreiten, z. B. auf sozialen Netzen Werbung zu machen. Der Blog war für uns ein Weg, persönliche Gedanken und Erkenntnisse zu formulieren. Wir wollten nachdenken, Erkenntnisse verständlich formulieren und auch für uns persönlich zugänglich machen.

Allerdings haben wir in den letzten zwei Jahren grosse Zweifel bekommen. Das Berner Modell hat innere Widersprüche. Einerseits hat der grosse Rat Kürzungen beschlossen, aber andererseits öffnen sich für viele Menschen mit Behinderungen neue Möglichkeiten. Es ist für uns schwierig zu verstehen, was der Kanton Bern mit Menschen mit Behinderungen vorhat.

Nach dem Interview mit der Berner Zeitung «Die neu gewonnene Freiheit hat eine Kehrseite» wurden wir von der Präsidentin der Kantonalen Behindertenkonferenz kritisiert. Diese Kritik hat uns zu denken gegeben. Sind wir Netzbeschmutzer? Dabei haben wir von Anfang an das Problem, dass wir mit einer Schere im Kopf gearbeitet haben. Wir haben nie so stark kritisiert, wie wir hätten können.

Die Widersprüche im Kanton Bern selbst aber auch bei uns selbst machen uns zu schaffen. Darum hören wir auf.

Zum Schluss möchte ich hier eine Vision vorstellen.

Ein grosses Problem von bedarfsorientierten Leistungen wie die vom Berner Modell ist, dass es eine Abklärung braucht. Es gibt ein sogenanntes «moral hazard», eine Art Konflikt zwischen dem Leistungsempfänger und -erbringer. Man redet nicht gerne darüber, denn man stochert da im Bodensatz der Gesellschaft, wie z. B. Versicherungsbetrüger, die ihr Auto anzünden, damit sie ein neues Auto kaufen können. Leider haben gewisse politische Kreise dieses real existierende Thema missbraucht, so dass in anderen Kreisen dieses Thema zum Tabu wurde. Einerseits denke ich, dass Steuerbetrüger viel grösseren Schaden anrichten und der Staat zuerst versuchen sollte, dort aufzuräumen, und andererseits sollte man hier die einzelnen Menschen nicht moralisch beurteilen, sondern einfach verstehen, dass sie halt versucht haben, für sich selbst das Beste herauszuholen, und man sollte sie einfach daran hindern, etwas Unzulässiges zu tun.

Wie?

Eine wirklich umwälzende Lösung ist die vollständige Abkehr von bedarfsorientierten Leistungen.

So weit würde ich nicht gehen, sondern Leistungen bloss an leicht festzustellende Bedingungen knüpfen (z. B. Wohnsitz in der Schweiz). Und für Menschen mit Behinderungen könnte man ein Code wie das ICD von der World Health Organization einführen. Ein Arzt müsste bestätigen, welche Behinderung vorliegt, und gut ist es. Keine schwierigen Abklärungen, ob eine Person arbeiten kann oder nicht, sondern die simple und direkte Frage, was für eine Behinderung vorliegt.

Also eine radikale Vereinfachung des sozialen Netzwerks der Schweiz.

Aber der Kanton Bern kann natürlich nicht das soziale System der Schweiz umkrempeln.

Also müssen wir weiter wursteln und unseren Platz in den verschiedenen dunklen Ecken und Nischen des Sozialsystems finden.

Und das ist hier unser letzes Wort.